Am Donnerstag verabschiedete das Europäische Parlament drei Entschließungen zur Menschenrechtssituation im Sudan, in Nigeria und in Pakistan. Sudan – Bedrohung durch Kriegsverbrechen und Verletzungen des humanitären Völkerrechts, insbesondere in El‑Obeid Die Abgeordneten verurteilen mit größter Entschiedenheit die im Sudan begangenen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, insbesondere die Gräueltaten während der andauernden Belagerung der Stadt El‑Obeid durch die Rapid Support Forces (RSF). Das Parlament fordert die EU auf, dringend ihre humanitäre Hilfe für den Sudan zu verstärken und direkte Finanzmittel an lokale Organisationen an der Frontlinie, einschließlich Einrichtungen des medizinischen Sektors, bereitzustellen. Es wird die dringende Notwendigkeit von humanitären Korridoren betont, um die Evakuierung von Zivilisten und die Lieferung von Hilfsgütern zu gewährleisten. Die Abgeordneten fordern die Kriegsparteien auf, Angriffe auf Zivilpersonen, einschließlich sexueller Gewalt, und die daraus resultierende Hungersnot zu beenden. Sie verurteilen jede ausländische Einmischung, die den Krieg anheizt, und verlangen, dass Länder jegliche Unterstützung für die RSF, insbesondere die Lieferung von Waffen, einstellen. Das Parlament fordert die EU auf, Sanktionen gegen Verantwortliche für Angriffe auf Zivilisten und gegen externe Unterstützer, wie die Global Security Services Group, wegen Verletzung des UN‑Waffenembargos zu verhängen. Die Abgeordneten schlagen vor, die RSF in die Liste der terroristischen Organisationen der EU aufzunehmen und Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Sie fordern eine unabhängige Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen und die Möglichkeit für den Internationalen Strafgerichtshof, seine Zuständigkeit auf das gesamte Land auszuweiten. Die Entschließung wurde mit 476 Stimmen dafür, 28 dagegen und 96 Enthaltungen angenommen. Nigeria – anhaltende Verfolgung von Christen, insbesondere das Massaker im Dorf Kawel Die Abgeordneten verurteilen den Angriff in Kawel scharf und sprechen den Familien der Opfer ihr Beileid aus. Sie bekunden ihre Solidarität mit der christlichen Gemeinschaft im Bundesstaat Plateau und bekräftigen ihr Engagement für die Verteidigung der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Gleichzeitig verurteilen sie den alarmierenden Anstieg von Entführungen und die unverhältnismäßigen Auswirkungen auf Frauen und Mädchen. Das Parlament fordert die Behörden auf, Gegen‑Terror‑Maßnahmen zu ergreifen und die Anstrengungen im Kampf gegen Boko Haram zu verstärken, wobei unabhängige Ermittlungen sicherzustellen sind, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen und die Straflosigkeit zu beenden. Weitere Forderungen umfassen: Stärkung des Schutzes der Zivilbevölkerung durch die nigerianischen Behörden; Verbesserung des Frühwarnsystems und Investitionen in regionale Vermittlung; Umsetzung nachhaltiger Landbewirtschaftungspolitiken und Förderung der Ernährungssicherheit; Angehen der umweltbedingten Ursachen von Konflikten. Das Parlament ruft den EU‑Sondergesandten für die Förderung der Religions‑ oder Glaubensfreiheit außerhalb der EU auf, der sich besonders der sich verschlechternden Lage von Christen und anderen verfolgten Religionsgemeinschaften in Nigeria zuzuwenden. Die Entschließung wurde mit 510 Stimmen dafür, 1 dagegen und 86 Enthaltungen angenommen. Pakistan – Entführung, erzwungene Konversion und Kinderehe von Maria Shahbaz sowie Schutz von Mädchen Die Entschließung hebt den Fall von Maria Shahbaz hervor, einem 13‑jährigen pakistanischen christlichen Mädchen, das im März 2026 entführt, zum Islam konvertiert und gegen ihren Willen mit ihrem Entführer verheiratet wurde. Die Abgeordneten fordern, dass sie Zugang zu rechtlicher Vertretung, ihrer Familie und psychologischer Unterstützung erhält. Die Abgeordneten verurteilen ähnliche Missbräuche gegen minderjährige Mädchen religiöser Minderheiten und machen deutlich, dass ihr Fall exemplarisch für weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen gegen Minderheiten in Pakistan ist; laut UN‑Angaben aus dem Jahr 2025 entfielen bei Fällen erzwungener Konversion durch Heirat etwa 75 % auf hinduistische und 25 % auf christliche Frauen und Mädchen. Das Parlament fordert die pakistanischen Behörden auf, den nationalen Rahmen zur Beendigung von Kinderehen vollständig umzusetzen, wie es bereits in einigen Provinzen der Fall ist, und einen nationalen Mechanismus einzurichten, um Beschwerden von Familien entführter oder zwangskonvertierter Mädchen aus Minderheiten zu bearbeiten. Es verlangt Schutz für religiöse Minderheiten und dass alle Fälle, die Minderjährige betreffen oder Zwangsvorwürfe beinhalten, transparent und unabhängig untersucht werden. Täter müssten strafrechtlich verfolgt und das pakistanische Justizsystem gestärkt werden, damit entführte Mädchen sicher zurückkehren können. Die Entschließung wurde per Handzeichen angenommen. Zusammenfassend verurteilt das Europäische Parlament die in den drei Regionen dokumentierten schweren Menschenrechtsverletzungen, fordert verstärkte humanitäre Hilfe, Schutzmaßnahmen für gefährdete Gruppen sowie unabhängige Untersuchungen und Sanktionen gegen die Verantwortlichen.