Am Donnerstag hat das Europäische Parlament seine Vorschläge zur Verringerung der Zahl von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und Todesfällen in der EU verabschiedet. Zur Erinnerung an die Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten fordern die Abgeordneten, den 8. August zum Europäischen Gedenktag für die Opfer von Arbeitsunfällen sowie für den Schutz und die Würde der Arbeitnehmer zu ernennen. Dieser Tag soll nach Auffassung der Abgeordneten das Bewusstsein für die Bedeutung von Prävention und Sicherheit am Arbeitsplatz in der Öffentlichkeit, in Unternehmen und Institutionen schärfen und mit der Umsetzung konkreter Initiativen in Schulen und Betrieben verbunden werden. Der Text wurde mit 395 Stimmen dafür, 12 dagegen und 41 Enthaltungen gebilligt. Gesundheits- und Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit KI Das Parlament fordert außerdem die Kommission auf, die arbeitsbezogenen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken zu bewerten und anzugehen, die mit Künstlicher Intelligenz und algorithmischem Management verbunden sind. Die Abgeordneten weisen darauf hin, dass Arbeitnehmer, die über digitale Arbeitsplattformen beschäftigt sind, sowie solche, deren Aufgaben, Arbeitsrhythmus und Leistung durch KI-gestützte Werkzeuge gesteuert oder bewertet werden, erhöhten Risiken ausgesetzt sein können – etwa durch eine Intensivierung der Arbeitsrhythmen und missbräuchliche Überwachung infolge algorithmischer Entscheidungsfindung. Hitzebelastungen bei der Arbeit Die Abgeordneten fordern die Kommission auf, die berufsspezifischen Sicherheits- und Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit klimabedingten Faktoren wie Hitzestress, Extremwetterereignissen und Luftverschmutzung zu bewerten. Sie verlangen bessere Schutz- und Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz, um Beschäftigte vor extremer Hitze und den Folgen des Klimawandels zu schützen, und fordern, diese Faktoren als erhebliche berufliche Risikofaktoren anzuerkennen. Inspektionen Um sichere und gesunde Arbeitsplätze zu erreichen, hebt das Parlament die Bedeutung regelmäßiger arbeitsrechtlicher Gesundheits- und Sicherheitsinspektionen hervor und fordert die EU-Mitgliedstaaten auf, die Arbeitsinspektionen mit festem Personal, ausreichenden Ressourcen und institutioneller Unabhängigkeit zu stärken. Zitat Chiara Gemma (ECR, IT), Berichterstatterin, sagte: „Wir müssen unser Gedenken an die Opfer von Arbeitsunfällen in ein konkretes Engagement zu deren Prävention übersetzen. Unsere Entschließung stärkt die Unterstützung für das Ziel ‘Vision Zero’: null Todesfälle am Arbeitsplatz. Sichere und würdige Arbeitsbedingungen sind ein grundlegendes Recht und ein Eckpfeiler des sozialen Modells Europas. Die Erinnerung muss zu Verantwortung, Bewusstsein und stärkerem Schutz für jede/n Arbeitnehmer/in führen.“ Hintergrund Am 8. August 1956 kamen 262 Bergleute bei der Tragödie im Bergwerk Bois du Cazier in Marcinelle (Belgien) ums Leben. Die Arbeiter stammten aus mehreren Staaten, die heute EU-Mitgliedstaaten sind. In der EU gab es 2023 3.298 tödliche Arbeitsunfälle und rund 2,8 Millionen nicht-tödliche Unfälle, die zu mindestens vier Tagen Arbeitsausfall führten, mit gravierenden Problemen in Hochrisikosektoren wie Bau, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft. Relevanz für Österreich Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen auf eine bessere Prävention, stärkere Kontrollen und die Anerkennung neuer Arbeitsrisiken ab und dürften somit den Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Österreich verbessern sowie Unternehmen bei der Umsetzung höherer Sicherheitsstandards unterstützen.