Am Donnerstag legte das Europäische Parlament seine Empfehlungen vor, um die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Pflege zu fördern. Der Bericht wurde mit 263 zu 83 Stimmen bei 154 Enthaltungen angenommen. Die Abgeordneten erklären, dass der Zugang zu Pflege ein Grundrecht ist, und fordern die EU-Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in allen Formen der Pflege zu beseitigen. Angestrebt wird der Aufbau einer „Care‑Gesellschaft“, die häusliche Dienste, generationsübergreifende Solidarität und ein selbstbestimmtes Leben in den Mittelpunkt stellt. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung fordert das Parlament eine nachhaltige Finanzierung der Pflege. Zudem werden konkrete Vorschläge zur besseren Anerkennung und Absicherung von Pflegearbeit vorgelegt: Europäisches Statut für Pflegekräfte zur besseren Anerkennung und Festlegung EU-weiter Mindeststandards; Anerkennung und Einbeziehung informeller Pflege in Renten- und Sozialversicherungssysteme; Priorisierung der Rekrutierung im Inland bei gleichzeitig abgestimmter Zuwanderungspolitik an den Arbeitsmarktbedarf; Rekrutierung aus Nicht-EU-Ländern ausschließlich über legale Migrationskanäle mit Investitionen in Ausbildung und Integration; Bekämpfung von Schwarzarbeit, Ausbeutung und prekären Beschäftigungsverhältnissen. Die Europaabgeordneten begrüßen die Ankündigung der Europäischen Kommission, im Jahr 2027 einen „European Care Deal“ vorzulegen, und fordern konkrete Maßnahmen zur Unterstützung von Pflegekräften mit Schwerpunkt auf: Beschäftigung und Aus- sowie Weiterbildung (einschließlich digitaler Kompetenzen), sozialer Absicherung und fairer Bezahlung, Kinderbetreuung und flexiblen Arbeitsbedingungen, psychosozialer Unterstützung für Pflegepersonen. Eleonora Meleti (EVP, Griechenland), Berichterstatterin für den Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, erklärte: „In der EU gibt es 6,2 Millionen professionelle Pflegekräfte und 53 Millionen informelle Pflegekräfte. Sie sorgen für Zuwendung und menschliche Nähe. Unser heute angenommener Bericht erkennt die Pflege endlich als eine Säule unserer Gesellschaft und Wirtschaft an. Pflege ist keine unsichtbare Arbeit, die wir als selbstverständlich hinnehmen sollten. Für professionelle Pflegekräfte fordern wir bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und psychologische Unterstützung. Für informelle Pflegekräfte fordern wir besseren Schutz, flexible Arbeitsbedingungen und Urlaubstage. Die Pflege lastet nach wie vor unverhältnismäßig stark auf Frauen, obwohl sie in unser aller Verantwortung liegen sollte.“ Rosa Estaràs Ferragut (EVP, Spanien), Berichterstatterin für den Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter, erklärte: „Frauen tragen nach wie vor eine unverhältnismäßig hohe Last sowohl bei der formellen als auch bei der informellen Pflege. Sie leisten wöchentlich rund 17 Stunden mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Diese unbezahlte Arbeit trägt weiterhin sowohl zu einem Lohngefälle als auch zu einer ungleichen Rentenzahlung bei. Gleichzeitig wird professionelle Pflegearbeit nach wie vor weder ausreichend anerkannt noch gerecht vergütet. Der Zugang zu Pflege ist ein Recht für alle, auch für Menschen in ländlichen Regionen. Niemand sollte im Alter keinen Zugang zu angemessenen Pflegeleistungen haben. Ich begrüße die Ankündigung des „European Care Deal“ für 2027. Dieser soll wegweisend für den Aufbau eines fürsorglichen und gerechten Europas werden.“ Hintergrund: Die mit der Pflege verbundene Arbeit ist oft unsichtbar und wird größtenteils von Frauen geleistet: Laut Europäischem Institut für Gleichstellungsfragen verbringen 56 % der Frauen mit Kindern unter 12 Jahren mindestens fünf Stunden pro Tag mit Kinderbetreuung, verglichen mit 26 % der Männer. Am 5. März stellte die Europäische Kommission ihre Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter vor und kündigte einen „European Care Deal“ für 2027 an, dessen Ziele von den Empfehlungen des Parlaments unterstützt werden.