Das Parlament fordert die konsequente Umsetzung bestehender Richtlinien und eine EU-weite Definition von Cybermobbing, damit Betroffene besser geschützt und Meldungen erleichtert werden. Die Abgeordneten fordern, dass Online-Plattformen Verantwortung übernehmen, um Opfer zu schützen, und sprechen sich für effektive und abschreckende Strafen im Zusammenhang mit Cybermobbing aus. Ziel ist es, rechtliche Lücken auf EU-Ebene zu schließen und das volle Ausmaß sowie die schwerwiegenden Folgen von Cybermobbing anzuerkennen. Strafrechtliche Maßnahmen Angesichts zunehmender Fälle von Cybermobbing sowie Foto- oder Video-Belästigung im Netz halten die Abgeordneten die bestehenden Maßnahmen für unzureichend. Sie fordern die Europäische Kommission auf, zu prüfen, ob eine EU-weite Definition von Cybermobbing notwendig ist und ob Mobbing im Internet als EU-Straftat eingestuft werden sollte. Als alternativer Ansatz wird vorgeschlagen, Hasskriminalität als EU-Straftat anzuerkennen, um die schwerwiegendsten Fälle abzudecken. Die Abgeordneten zeigen sich zudem enttäuscht über das Fehlen eines klaren Rechtsrahmens zur Aufdeckung von Material zu sexuellem Kindesmissbrauch (CSAM) im Internet und fordern die Kommission auf, dass Plattformen schnell sogenannte freiwillige Meldesysteme einführen. Plattformen sollen verpflichtet werden, einen sicheren digitalen Raum für Kinder zu gewährleisten. Plattformverantwortung und Durchsetzung des Gesetzes über digitale Dienste (DSA) Das Parlament betont, dass Plattformen für Prävention und Bekämpfung von Cybermobbing verantwortlich sein müssen. Es warnt vor Geschäftsmodellen, die Anreize für die Verbreitung hasserfüllter Inhalte schaffen und besonders Minderjährige, Frauen sowie die LGBTIQ+-Community betreffen. Kritik richtet sich auch gegen stark personalisierte Empfehlungssysteme, die Hasskommentare fördern und weniger polarisierende Inhalte in Suchergebnissen zurückstufen. Konkrete Forderungen umfassen: Stärkere Durchsetzung von Artikel 28 des DSA zum Schutz Minderjähriger Abschluss laufender Verfahren und entschiedenes Ablehnen von Änderungsversuchen am DSA Einhalten der Kennzeichnungspflichten für KI-Anwendungen gemäß dem geplanten KI-Recht Einführung eines Verbots sogenannter „Nudifier“-Systeme, die derzeit verhandelt werden Die Abgeordneten äußern Besorgnis über den zunehmenden Missbrauch von Künstlicher Intelligenz, etwa zur Erstellung von Deepfakes und zur Verbreitung nicht einvernehmlicher intimer Inhalte, und fordern Anbieter zur Einhaltung bestehender Kennzeichnungsregeln auf. Unterstützung für die Opfer Der Text betont die Notwendigkeit, Schutz und Unterstützung für Opfer von Cybermobbing zu verstärken und die Finanzierung für Organisationen, die mit Opfern arbeiten, aufzustocken. Die Abgeordneten sprechen sich dafür aus, Cybermobbing und Gegenmaßnahmen in nationale Programme zur psychischen Gesundheit zu integrieren. Mitgliedstaaten sollten Prävention, Aufklärung und Sensibilisierung priorisieren, insbesondere für Kinder, Eltern und Erzieherinnen und Erzieher. Zudem fordern die Abgeordneten die rasche Umsetzung der EU-Richtlinie über die Rechte von Opfern. Hintergrund Cybermobbing hat sich zu einer erheblichen Bedrohung für die Online-Sicherheit und das Wohlergehen von Minderjährigen und Jugendlichen entwickelt; die Folgen für Betroffene sind oft dauerhaft und schwerwiegend. Als Reaktion darauf und auf die hohe öffentliche Erwartung an staatliches Handeln (laut Text wünschen sich 92 % der EU-Bürger Maßnahmen) legte die Kommission im Februar 2026 einen speziellen Aktionsplan gegen Cybermobbing vor. Obwohl einige Mitgliedstaaten, etwa Irland mit dem sogenannten „Cocos Law“, bereits gezielte Bestimmungen einführen, besteht weiterhin eine rechtliche Fragmentierung auf europäischer Ebene, die das Parlament mit seinen Forderungen adressieren möchte.