Das Europäische Parlament fordert einen Aktionsplan, um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben von Frauen zu stärken und die Arbeitsbedingungen sowie die faire Bezahlung in frauendominierten Sektoren zu verbessern. In ihrem mit 458 Stimmen für, 72 Stimmen dagegen und 98 Enthaltungen angenommenen Bericht stellen die Abgeordneten fest, dass Jobs in frauendominierten Sektoren generell schlechter bezahlt und unterbewertet sind, obwohl jüngere Frauen in der Bildung jüngere Männer zunehmend übertreffen. Die Verbesserung der Arbeitsmarktteilhabe und Arbeitsbedingungen von Frauen könnte ihrer Ansicht nach helfen, Fachkräfte- und Qualifikationsengpässe zu beheben und die Produktivität sowie das Wachstum der EU zu steigern. Beseitigung der geschlechtsspezifischen Lohn- und Rentenlücke Das Parlament fordert die Kommission auf, einen Aktionsplan zur Beseitigung der geschlechtsspezifischen Lohn- und Rentenlücken vorzulegen. Der Aktionsplan sollte gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und fairen Bezahlung in frauendominierten Sektoren enthalten. Er sollte Investitionen im nächsten EU-Langzeitbudget prioritär vorsehen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben der Frauen zu stärken und einen verlässlichen Betreuungssektor zu schaffen. Frauen sind für einen überproportionalen Anteil an unbezahlter Sorge- und Hausarbeit verantwortlich. Dies verringert ihre Arbeitsmarktteilhabe und ihre Rentenanwartschaften und ist einer der Hauptgründe für die geschlechtsspezifischen Lohn- und Rentenlücken. Unzureichende Investitionen, hohe Kosten und ein Mangel an qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungs- und Langzeitpflegediensten verhindern laut Bericht, dass Frauen vollständig am Arbeitsmarkt teilnehmen. Dies kann die Karriereentwicklung behindern und dazu führen, dass Frauen gezwungen sind, Teilzeitarbeit statt Vollzeitarbeit anzunehmen oder ganz aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Die Abgeordneten weisen darauf hin, dass Zeiten der Erwerbsunterbrechung aufgrund von Pflegeverpflichtungen bei der Rentenansparung nicht berücksichtigt werden, obwohl dadurch dem Staat erhebliche Kosten erspart werden. Die Schließung der Betreuungs-Lücke könnte das Leben von jungen Eltern in ganz Europa verbessern, und mehr Unterstützung könnte die Fähigkeit der Eltern erheblich stärken, im Erwerbsleben zu bleiben. Die Abgeordneten wollen, dass die Mitgliedstaaten Männer ermutigen, ihren Elternurlaub zu nutzen, und nicht übertragbaren, angemessen bezahlten Vaterschaftsurlaub fördern. Zitat Irena Joveva (Renew, SI), Berichterstatterin im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, sagte: „Vieles wurde in der EU getan, um gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu erreichen. Wir haben jedoch die anhaltende geschlechtsspezifische Ungleichheit noch nicht beseitigt. Unser Bericht skizziert notwendige Aktionen und Maßnahmen – einige betreffen Durchsetzung, andere Neues. Aber alle sollten mit EU-Mitteln unterstützt werden. Nun liegt es an den Mitgliedstaaten, die Umsetzung voranzutreiben, denn die Umsetzung ist entscheidend, um Gleichstellung und eine gerechtere Gesellschaft zu erreichen.“ Mirosława Nykiel (EPP, PL), Berichterstatterin im Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter, sagte: „Im Jahr 2023 betrug die geschlechtsspezifische Lohnlücke in der EU 12 %. Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, fast 28 % der Frauen arbeiten in Teilzeit. Und dies ist oft keine Wahl, sondern eine Folge des Mangels an Zugang zu Kinderbetreuung und Betreuung für Angehörige. Frauen arbeiten im Durchschnitt zwischen 54 und 67 Tage pro Jahr unbezahlt. Und wenn wir unbezahlte Arbeit zu Hause, Kochen und Organisation des Familienlebens hinzufügen, kommen mehr als 8 zusätzliche Wochen Arbeit pro Jahr zusammen. Die Effekte zeigen sich in der durchschnittlichen Rentenlücke zwischen Frauen und Männern in der EU, die 25,4 % beträgt. Europa muss Frauen durch praktische Entscheidungen und Politiken echte Unterstützung bieten.“ Hintergrund Die geschlechtsspezifische Lohnlücke wird definiert als der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen. Sie kostete die EU im Jahr 2023 390 Milliarden Euro. Die Einkommen von Frauen in der EU sind deutlich niedriger als die von Männern: Im Jahr 2023 arbeiteten Frauen zwischen 54 und 67 Tage pro Jahr ohne Bezahlung im Vergleich zu Männern. Im Jahr 2024 waren 16,9 % der pensionierten Frauen armutsgefährdet – fast doppelt so viele wie bei Männern.