Am Dienstag forderte UN‑Generalversammlungspräsidentin Annalena Baerbock die EU auf, den Vereinten Nationen und der regelbasierten Weltordnung in Zeiten globaler Krisen vereint beizustehen. Zur Begrüßung Annalena Baerbocks erklärte die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola: „80 Jahre nach der Gründung der Vereinten Nationen ist jetzt der Moment gekommen, unser Bekenntnis zum Multilateralismus als einer Kraft für das Gute in der Welt zu erneuern – einer Kraft, die uns sicherer, freier und wohlhabender macht. In einer zunehmend unsicheren Welt müssen wir unser Engagement dafür verstärken, dass Zusammenarbeit und Dialog zwischen Staaten bessere Ergebnisse liefern als Konfrontation.“ In ihrer Ansprache an die Europaabgeordneten rief Annalena Baerbock die EU dazu auf, angesichts geopolitischer Umbrüche, Konflikte und Krisen geschlossen aufzutreten. Sie forderte die Union auf, Wahrheit und Demokratie gegen den gezielten Einsatz von Mis‑ und Desinformationen als Instrumente der Machtpolitik zu verteidigen. Insbesondere warnte sie vor Online‑Deepfakes, die systematisch Frauen ins Visier nehmen und eine Gefahr für offene und demokratische Gesellschaften darstellen. Baerbock unterstrich Europas Verantwortung, geschlossen für den Erhalt der internationalen regelbasierten Ordnung einzutreten. Sie erinnerte an die entschlossene und einheitliche Reaktion der EU auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor vier Jahren und betonte, dass Europas Stimme damals weltweit gehört worden sei. Heute rufe die Welt die EU dazu auf, regionsübergreifende Allianzen zu bilden, um die UN‑Charta und das Völkerrecht zu schützen und zu stärken. Mit Blick auf wirtschaftliche Fragen begrüßte Baerbock Europas Engagement, namentlich in neuen Handelsabkommen mit Mercosur und Indien sowie zusätzliche EU‑Mittel für die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone. Sie stellte dieses wirtschaftliche Engagement als langfristige Investition in weltweiten Wohlstand und Sicherheit dar, wovon auch österreichische Unternehmen und Exportinteressen profitieren können. Gleichzeitig forderte Baerbock eine starke Unterstützung der EU für den UN80‑Reformprozess angesichts einer existenziellen Liquiditätskrise der Vereinten Nationen. Die EU solle mit gutem Beispiel vorangehen, ihre Beiträge fristgerecht zahlen, Reformvorschläge voranbringen und sich überfälligen Debatten zur Reform der internationalen Finanzarchitektur stellen, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung sowie die Zusagen gegenüber dem Globalen Süden einzuhalten. Vor dem Hintergrund ihres klaren Bekenntnisses zur Geschlechtergerechtigkeit forderte Baerbock die EU‑Mitgliedstaaten auf, die Nominierung von Frauen bei der Auswahl der nächsten bzw. des nächsten UN‑Generalsekretärs aktiv zu unterstützen – und erinnerte daran, dass dieses Amt in 80 Jahren ausschließlich von Männern ausgeübt wurde. Hintergrund: Annalena Baerbock wurde am 9. September 2025 zur Präsidentin der 80. Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen gewählt. In diesem Zusammenhang stellte sie ihre Vision „Better Together“ vor und rief angesichts globaler Krisen zu mehr Zusammenhalt auf. Zu den Schwerpunkten ihrer Präsidentschaft zählen: die Umsetzung der Reformagenda UN80, die Stärkung der Wirksamkeit der Vereinten Nationen, die Förderung der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung, eine inklusive Generalversammlung mit starker Einbindung der Zivilgesellschaft und Jugend, ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung der Geschlechter. Baerbock ist die fünfte Frau an der Spitze der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Von Dezember 2021 bis Mai 2025 war sie Bundesministerin des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland; zudem war sie von 2013 bis Juni 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2018 bis 2022 Bundesvorsitzende des Bündnis 90/Die Grünen. Zuvor arbeitete sie auch für ein Mitglied des Europäischen Parlaments.