Am Mittwoch zog das Plenum Bilanz über die Ergebnisse des EU‑Gipfels im Dezember und diskutierte mit den Präsidenten António Costa und Ursula von der Leyen die Notwendigkeit eines souveräneren und widerstandsfähigeren Europas. Europäischer Ratspräsident António Costa betonte, dass die Verteidigung der internationalen Rechtsordnung und des Multilateralismus für die EU zentral sei. Er verurteilte Verstöße gegen internationales Recht – sei es in der Ukraine, in Grönland, in Lateinamerika oder im Gazastreifen – ebenso wie Menschenrechtsverletzungen etwa in Iran, Sudan oder Afghanistan. Costa hob hervor, dass die EU in Fragen des internationalen Rechts, der territorialen Integrität und der Souveränität geeint sei. Er sprach seine volle Solidarität mit Dänemark und Grönland aus und betonte das gemeinsame transatlantische Interesse an der Arktischen Sicherheit. Er warnte davor, dass weitere Zölle die Beziehungen zwischen EU und USA schädigen würden, bekräftigte jedoch die Bereitschaft der EU, sich gegen jede Form von Zwang zu verteidigen, und unterstrich zugleich die Bereitschaft zu konstruktivem Engagement mit den Vereinigten Staaten. Zum Thema Handel verteidigte António Costa das EU‑Mercosur‑Abkommen als „historisch“ mit besonderer politischer, wirtschaftlicher und geopolitischer Bedeutung im aktuellen globalen Umfeld. Zur Wirtschaft betonte er die Bedeutung eines starken einheitlichen Binnenmarkts und die Notwendigkeit, Bürokratie abzubauen, während gleichzeitig erschwingliche, sichere und nachhaltige Energiequellen gesichert bleiben müssen. Zudem plädierte er für digitale Souveränität und den Schutz der Rechte von Kindern gegenüber Tech‑Oligarchen und unregulierten sozialen Medien. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, dass sich ein „seismischer Wandel in der internationalen Ordnung“ vollziehe und Europa entschlossen handeln sowie seine Souveränität vor allem in den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft stärken müsse. Zur Sicherheit bekräftigte sie, dass die Zukunft Grönlands allein in den Händen der grönländischen Bevölkerung liege. Obwohl die EU mit den USA das Ziel teilt, die Arktische Sicherheit zu gewährleisten, warnte sie davor, dass das Verhängen von Zöllen einen „gefährlichen Abwärtsspiraleffekt zwischen Verbündeten“ auslösen könne. Von der Leyen kündigte an: verstärkte EU‑Investitionen in die lokale Wirtschaft und Infrastruktur Grönlands, enge Zusammenarbeit mit Partnern zur Stärkung der Arktischen Sicherheit, eine Neubewertung der umfassenderen EU‑Sicherheitsstrategie angesichts der neuen geopolitischen Realitäten. Sie bekräftigte zudem die unerschütterliche Unterstützung der EU für die Ukraine, bis ein gerechter und dauerhafter Frieden erreicht ist, und verwies auf die Entscheidung zur Einrichtung eines 90‑Milliarden‑Euro‑Unterstützungsfonds. Im Bereich Wirtschaft betonte von der Leyen, dass Handelsabkommen – darunter das kürzlich verabschiedete Mercosur‑Abkommen und das bevorstehende Abkommen mit Indien – Europas wirtschaftliche Chancen verbessern, Lieferketten sichern, Arbeitsplätze schaffen und zur europäischen Unabhängigkeit beitragen würden. Reaktionen der Abgeordneten Viele Abgeordnete warnten davor, dass Europa vor einem tiefgreifenden Wandel in der globalen Ordnung stehe, und betonten die Notwendigkeit, internationales Recht, demokratische Werte und die regelbasierte Ordnung zu verteidigen. Die Ukraine nahm einen großen Raum in der Debatte ein, mit breiter Unterstützung für die Fortsetzung der EU‑Hilfe, einschließlich des 90‑Milliarden‑Euro‑Darlehens. Mehrere Redner unterstrichen, dass Europas Sicherheit davon abhänge, Russland daran zu hindern, seine Ziele zu erreichen. Viele Abgeordnete bekräftigten ihre Solidarität mit Dänemark und Grönland und lehnten jede Form von Zwang oder Drohungen gegen europäischen Hoheitsraum ab. Es wurden Aufrufe laut, die strategische Autonomie Europas zu stärken und gegebenenfalls vorhandene EU‑Instrumente, einschließlich des Anti‑Nötigungsmechanismus, zu nutzen. Zur Handelspolitik hoben einige Abgeordnete die Vorteile von Abkommen wie Mercosur für Europas Widerstandsfähigkeit und globalen Einfluss hervor, während andere auf mögliche negative Auswirkungen für Landwirte und Standards hinwiesen. Über das gesamte politische Spektrum wurde betont, dass Europa mit größerer Einheit und Entschlossenheit handeln müsse, um souverän, sicher und glaubwürdig auf der Weltbühne zu bleiben.