Das Europäische Parlament hat mit 492 Stimmen dafür, 144 dagegen und 28 Enthaltungen eine Reihe von Empfehlungen zu einem neuen Rechtsrahmen zur Unterstützung von Unternehmen in der EU verabschiedet. Die Abgeordneten fordern die Kommission auf, in den kommenden Monaten einen entsprechenden Legislativvorschlag vorzulegen. Im Rahmen des geplanten Regelwerks sollen die Mitgliedstaaten entweder eine neue Gesellschaftsform schaffen oder EU-weit geltende Vorschriften in bestehende Gesellschaftsformen integrieren. Die Abgeordneten bestehen auf einem einzigen harmonisierten Regelwerk – dem sogenannten „28. Regime“ – um gleiche Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen in der gesamten EU sicherzustellen. Schnelle digitale Registrierung Vorgesehen ist die Einführung einer Einheitlichen Europäischen Gesellschaft (S.EU) für nicht börsennotierte Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die in einem der 27 EU-Mitgliedstaaten ansässig sind. Die Abgeordneten fordern, dass die Registrierung einer S.EU vollständig digital erfolgt, innerhalb von 48 Stunden abgeschlossen werden kann und lediglich ein Mindeststammkapital von einem Euro erfordert. Um den reibungslosen Betrieb von S.EUs im Binnenmarkt zu fördern, einschließlich der digitalen Kommunikation mit Behörden und der digitalen Bereitstellung von Informationen für Investoren, fordern die Abgeordneten ein von der Kommission betriebenes einheitliches, digitales und mehrsprachiges Portal, das in allen Mitgliedstaaten zugänglich ist. Investitionen und Talente Die Abgeordneten wollen S.EUs den Zugang zu Investitionen erleichtern, auch über alternative Finanzierungsmodelle. Gleichzeitig sollen optionale Schutzmechanismen vorgesehen werden, um Investoren- und Anteilseignerinteressen auszugleichen. Vorgeschlagene Maßnahmen umfassen unter anderem: Trennung von Stimm- und Vermögensrechten vertraglich geregelte, zeitlich oder betragsmäßig begrenzte Gewinnverteilungen Förderung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen und Aktienoptionsplänen zur Gewinnung und Bindung von Spitzenkräften Wissenstransfer und spezialisierte Streitbeilegung Das Parlament betont, dass S.EUs in der Lage sein sollten, Grundlagenforschung zu kommerzialisieren, und fordert Maßnahmen zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen KMU, Start-ups, Scale-ups und Forschungseinrichtungen in der EU. Zudem sollen S.EUs Zugang zu spezialisierten und beschleunigten Streitbeilegungsverfahren erhalten, die auch in englischer Sprache durchgeführt werden können. Zitat René Repasi (SPD), Berichterstatter, erklärte nach der Abstimmung: „Die heutige Abstimmung zeigt, dass Europa die langjährigen Hürden abbauen kann und muss, die Innovatorinnen und Innovatoren im globalen Wettbewerb behindert haben. Unsere Vision der S.EU würde es Unternehmen ermöglichen, sich innerhalb von 48 Stunden vollständig digital und grenzüberschreitend zu gründen. Gleichzeitig fordert das Europäische Parlament, dass im Rahmen dieses neuen Regimes robuste soziale Standards verankert werden.“ Hintergrund Die Prioritäten des Parlaments in Bezug auf das sogenannte 28. Regime für EU-Unternehmen sollen in einen Legislativvorschlag der Kommission einfließen. Die Abgeordneten erwarten diesen Vorschlag für das erste Quartal 2026 und fordern eine solide Finanzierung. Pressekonferenz In einer Pressekonferenz wird Berichterstatter René Repasi Journalistinnen und Journalisten nach der Plenarabstimmung am Dienstag, den 20. Januar 2026, um 15:00 Uhr über die Vorschläge und Forderungen des Parlaments informieren.