Das Europäische Parlament betont, dass die Arktis weiterhin nach den Prinzipien des internationalen Rechts geregelt sein muss und fordert die EU auf, eine robuste, sicherheitsorientierte Strategie zu verfolgen. Die Resolution wurde mit 510 Stimmen dafür, 75 dagegen und 80 Enthaltungen angenommen. Die Abgeordneten warnen, dass die Arktis sich rasch zu einem strategischen Schauplatz von geopolitischer Konkurrenz, militärischem Aufbau, Energiewandel und globalen Umweltveränderungen entwickelt. Sie verurteilen die zunehmende Militarisierung, wobei sie insbesondere auf die umfangreiche militärische Umstrukturierung Russlands, einschließlich der Einrichtung eines sogenannten „Maritime Collegium“, hinweisen. In Kombination mit Chinas wachsendem Interesse habe dies die Spannungen in der Region verschärft und die Stabilität untergraben. Als Reaktion fordern die Abgeordneten, dass die EU ihre Zusammenarbeit mit ihren NATO-Verbündeten stärkt. Eine enge EU‑US‑Kooperation sei grundlegend, um russische und chinesische Einflussnahme einzudämmen und die gemeinsame Sicherheit zu gewährleisten. Die Resolution verlangt eine verbesserte Schutzpolitik für essenzielle Unterwasserinfrastruktur in der Arktis, insbesondere für Unterseekabel und Pipelines, auch in der Nähe Grönlands, vor dem Hintergrund jüngster Vorfälle im Ostseeraum. Zugleich wird eine Verschärfung des Rechtsrahmens für Sanktionen und Gegenmaßnahmen gefordert. Die Abgeordneten unterstreichen, dass die Governance der Arktis an das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) gebunden bleiben muss. Sie lehnen einseitige territoriale oder navigationsrechtliche Ansprüche ab und sprechen sich für diplomatischen Dialog aus, um Versuche zu kontern, umstrittene Schifffahrtsrouten zu legitimieren oder geopolitischen Einfluss unter dem Vorwand wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Kooperation geltend zu machen. Die Resolution hebt die Bedeutung der Arktis als Lieferant kritischer Ressourcen für die strategische Autonomie Europas hervor und fordert vertiefte strategische und wirtschaftliche Partnerschaften, um die Abhängigkeit von autoritären Drittstaaten zu verringern. Dabei wird die zentrale Rolle Norwegens für die EU‑Energiesicherheit betont und die wachsende Unterstützung für einen näheren EU‑Bezug von Island und Grönland hervorgehoben. Die Abgeordneten ermutigen die EU, mit diesen Partnern intensiver zusammenzuarbeiten und die Vorteile einer möglichen EU‑Mitgliedschaft zu fördern, sofern die Bevölkerungen dies wünschen. Angesichts der überproportionalen Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis fordern die Abgeordneten dringend verbesserte Anpassungsstrategien, die auch eine sicherheitspolitische Dimension haben. Zudem betonen sie, dass die indigenen Völker der Arktis vollständig in Entscheidungsprozesse einzubinden sind. Der Berichterstatter Urmas Paet (Renew, Estland) sagte: „In den letzten Jahren haben wir erhebliche Turbulenzen in der Weltpolitik erlebt. Das wirkt sich deutlich auf die Arktis aus. Die EU braucht eine kluge Strategie, um der wachsenden geopolitischen Bedeutung der Arktis zu begegnen, und ich hoffe unter anderem, dass Island, Norwegen und Grönland in naher Zukunft der EU beitreten.“ Wesentliche Forderungen der Resolution auf einen Blick: Stärkung der Zusammenarbeit mit NATO- und US-Partnern zur Wahrung regionaler Stabilität; Verbesserter Schutz von Unterseekabeln und Pipelines sowie ein strengerer Rechtsrahmen für Sanktionen; Festhalten an UNCLOS als Grundlage arktischer Governance; Förderung strategischer Partnerschaften mit Norwegen, Island und Grönland zur Sicherung kritischer Ressourcen; Dringende Anpassungsmaßnahmen an die Klimafolgen und Einbindung indigener Gemeinschaften. Für Österreich bedeutet dies indirekt positive Effekte durch erhöhte Versorgungssicherheit, Schutz digitaler und energiebezogener Infrastruktur sowie stärkere Rechts- und Sicherheitsstandards, die auch wirtschaftliche Stabilität und Resilienz innerhalb der EU unterstützen können.