Das EU-Parlament hat beschlossen, finanzielle Hilfe für die Fischerei- und Aquakultursektoren bereitzustellen, die unter den wirtschaftlichen Folgen der russischen Invasion leiden. Mit 620 Stimmen dafür, 10 dagegen und 9 Enthaltungen wurde ein Deal mit den EU-Regierungen angenommen, um diesen Sektoren Unterstützung zu gewähren. Die Maßnahme zielt darauf ab, Fischer zu unterstützen, die aufgrund des Krieges ihre Aktivitäten einstellen mussten, sowie Produzenten und Betreiber der Fischerei- und Aquakultur, deren Tätigkeiten durch die russische Aggression gestört wurden. Zudem wurde vereinbart, auch diejenigen Betreiber und Produzenten einzubeziehen, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit negativ beeinflusst wurde. Die Mitgliedstaaten können die Regeln anpassen, um die verbleibenden Mittel aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) für den Programmzeitraum 2014-2020 zu nutzen. Die Entschädigung wird die verlorenen Einnahmen der Betreiber und Produzenten sowie zusätzliche Kosten abdecken, die durch den Krieg entstanden sind, wie z.B. die steigenden Preise für Energie, Rohstoffe und Fischfutter. Die Hilfe wird rückwirkend ab dem 24. Februar 2022 bereitgestellt, als die russische Aggression begann, und beträgt eine Mitfinanzierungsrate von 75%. „Dieses finanzielle Paket wird es ermöglichen, zusätzliche Krisenmaßnahmen zu ergreifen, um die EU-Fischerei- und Aquakultursektoren im Kontext der Invasion Russlands zu unterstützen“, sagte der Berichterstatter des Europäischen Parlaments, Nuno Melo (EPP, PT), nach der Abstimmung. Die nächsten Schritte umfassen die formelle Annahme des Deals durch den Rat der EU-Minister, wonach er nach Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft treten wird. Hintergrund: Im Jahr 2019 beschäftigte die EU-Fischereiflotte 129.540 Fischer direkt und umfasste 73.983 Schiffe. Die Aquakultur beschäftigte etwa 75.000 Menschen, während die Verarbeitungsindustrie rund 3.500 Unternehmen umfasste. Ein Teil der EU-Flotte hat aufgrund sinkender Rentabilität und steigender Preise für marinen Kraftstoff und Fischfutter aufgrund des militärischen Konflikts den Betrieb eingestellt. Lieferketten- und Marktstörungen haben auch zu Engpässen geführt, die in der Fischzucht- und Verarbeitungsbranche spürbar sind.