Die wirtschaftlichen Sorgen werden zwar größer, doch die Menschen schätzen Frieden, Schutz und Zusammenarbeit in der EU ebenso wie die Lebensqualität, die ihnen die EU bietet. Die am Mittwoch veröffentlichte neueste Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments zeigt, dass die Bevölkerung die EU als sicheren Zufluchtsort in einer unsicheren Welt wahrnimmt. Für 75 % (DE: 70%, AT: 76%) der Befragten ist die EU ein Hort der Stabilität in einer von Krisen erschütterten Welt – acht Prozentpunkte mehr als im Herbst 2025 (DE: +4 PP, AT: +6 PP). Dies ist der zweithöchste Wert der letzten zehn Jahre. Die jüngsten weltweiten Entwicklungen lassen die Befragten skeptischer in die Zukunft der Welt blicken: 38 % (DE: 29%, AT: 44%) sind in dieser Hinsicht optimistisch, aber wesentlich mehr – nämlich 58 % (DE: 69%, AT: 50%) – pessimistisch. Dies sind sechs Prozentpunkte mehr als noch im Herbst 2025 (DE: +10 PP, AT: +1 PP). Allgemein schwankt die Stimmung der Befragten zwischen Unsicherheit (EU: 44 %, DE: 45%, AT: 43%) und Hoffnung (EU: 43 %, DE: 44%, AT: 37%). Diese beiden Begriffe werden am häufigsten genannt, wenn es darum geht, die augenblickliche Geisteshaltung zu beschreiben. Angesichts einer Welt im Wandel, in der sich Bündnisse verschieben, wird die EU-Mitgliedschaft von 74 % (DE: 74%, AT: 62%) der Befragten als vorteilhaft angesehen. Damit wird der 2025 verzeichnete Höchstwert eingestellt. Als zentraler und immer wichtiger Pluspunkt der Mitgliedschaft wird der Beitrag der EU zu Friedenssicherung und mehr Sicherheit betrachtet: 40 %, Anstieg um drei Prozentpunkte seit Frühjahr 2025 (DE: 50%, +8 PP, AT: 38%, +4 PP). An zweiter Stelle steht mit 34 % (DE: 44%, AT: 27%) die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, die sich aus der EU-Mitgliedschaft ergibt. „In Zeiten globaler Unsicherheit sehen die Europäerinnen und Europäer die Europäische Union zunehmend als Leuchtturm der Stabilität. In einer von Unruhen geprägten Welt ist dieses Vertrauen Europas größter Trumpf. Damit verbunden ist die klare Erwartung, dass wir entschlossen handeln, um unseren Bürgerinnen und Bürgern Sicherheit, Wohlstand und Chancen zu bieten“, sagte die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola. Hohe Erwartungen an die EU – mehr geopolitische Unabhängigkeit Um ihre geopolitische Position zu stärken, sollte die EU nach Meinung von 39 % (DE: 38%, AT: 32%) der Befragten den Schwerpunkt auf Verteidigung und Sicherheit legen. Auch Energieunabhängigkeit steht hoch im Kurs: Sie wird von 35 % (DE: 41%, AT: 33%) als Priorität genannt – ein Zuwachs um sechs Prozentpunkte (DE: +12 PP, AT: +4 PP) seit Herbst 2025. Drittwichtigster Schwerpunktbereich zur Stärkung der Stellung der EU in der Welt sind für die Befragten Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaft. Angesichts der vielen Probleme wollen die Unionsbürgerinnen und -bürger, dass sich die EU stärker einbringt: 68 % (DE: 64%, AT: 45%) der Befragten meinen, dass die EU beim Schutz der Bevölkerung vor weltweiten Krisen und Sicherheitsrisiken eine größere Rolle spielen sollte. Die große Mehrheit der Befragten (EU: 90 %, DE: 90%, AT: 86%) wünscht sich, dass die EU-Mitgliedstaaten angesichts der aktuellen Weltlage geschlossener auftreten. Ebenso möchten 90 % (DE: 87%, AT: 87%) der Befragten, dass sich die EU dafür einsetzt, dass alle Länder das Völkerrecht achten. Außerdem wollen 73 % (DE: 58%, AT: 62%), dass der EU mehr Mittel für die Bewältigung weltweiter Probleme zur Verfügung stehen. Gute Lebensqualität, aber Angst vor sinkendem Lebensstandard Der Schwerpunkt der Eurobarometer-Umfrage vom Frühjahr 2026 lag darauf, wie die Bürgerinnen und Bürger die Lebensqualität in der EU wahrnehmen. Allgemein ergibt sich ein positives Bild: 83 % (DE: 83%, AT: 85%) der Befragten sind mit ihrer Lebensqualität zufrieden. Nur 17 % (DE: 16%, AT: 15%) geben an, nicht zufrieden zu sein. Unter denjenigen, die von Zeit zu Zeit Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu bezahlen, sind es jedoch nur 69 % (DE: 58%, AT: 73%), und unter denjenigen, die die meiste Zeit mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, nur 40 % (DE: 27%, AT: 41%). Als wichtigste Kriterien für gute Lebensqualität gelten die körperliche und geistige Gesundheit (EU: 51 %, DE: 53%, AT: 62%) und die finanzielle Situation (EU: 49 %, DE: 54%, AT: 65%). 29 % (DE: 38%, AT: 38%) der Befragten erwarten, dass ihr Lebensstandard in den kommenden Jahren sinkt. 50 % (DE: 45%, AT: 46%) gehen davon aus, dass er gleich bleibt, und 18 % (DE: 15%, AT: 12%) erwarten, dass er steigt. Die Angst vor einem sinkenden Lebensstandard ist in Frankreich (44 %), Portugal (39 %) sowie Österreich und Deutschland (beide 38 %) am größten. Top-Thema Inflation: Europäisches Parlament soll dagegen vorgehen Dass es Verbesserungen in wirtschaftlicher Hinsicht geben muss, steht im Einklang mit den Antworten der Europäerinnen und Europäer auf die Frage, auf welche Themen sich das Europäische Parlament vorrangig konzentrieren soll. Die Befragten geben an, das Parlament solle sich in erster Linie um den Bereich „Inflation, steigende Preise und Lebenshaltungskosten“ kümmern (EU: 47 %, +6 PP, DE: 46%, +9 PP, AT: 52%, +4 PP). Dieses immer dringlichere Problem stand bereits ganz oben auf der Tagesordnung und führt die Liste nun mit zwölf Punkten Vorsprung an. Es folgen die Bereiche „Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen“ und „Verteidigung und Sicherheit der EU“, die unverändert bei 35 % (DE: 33%, AT: 40%) bzw. 34 % (DE: 43%, AT: 32%) liegen. Die EU und ihr Parlament – eine widerstandsfähige Demokratie Die allgemeinen Indikatoren, mit denen die Zustimmung zur EU und zum Europäischen Parlament gemessen wird, haben sich im Frühjahrseurobarometer 2026 kaum verändert. Es gibt jedoch eine bemerkenswerte Ausnahme: 59 % der Befragten sind zufrieden damit, wie die Demokratie in der EU funktioniert – fünf Prozentpunkte mehr als im November 2025. Damit wird der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2022 eingestellt. Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Eurobarometer-Website abrufbar. Hintergrundinformationen Für die Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments vom Frühjahr 2026 befragte das Meinungsforschungsinstitut Verian vom 9. April bis zum 4. Mai 2026 Bürgerinnen und Bürger in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Die Umfrage fand in Form persönlicher Interviews statt. In einigen Mitgliedstaaten (Dänemark, Finnland, Malta, Schweden und Zypern) wurden zusätzlich Videointerviews durchgeführt. Insgesamt wurden 26 421 Interviews geführt. Die EU-Ergebnisse wurden entsprechend der Bevölkerungszahl der einzelnen Länder gewichtet.