Am Mittwoch hat der Ausschuss für öffentliche Gesundheit des Europäischen Parlaments seine Stellungnahme zum ersten EU-weiten Plan zur Herz-Kreislauf-Gesundheit, dem „Safe Hearts Plan“, verabschiedet. Der Bericht verlangt einen koordinierten Ansatz zur Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen (KVE) sowie der damit verbundenen Risikofaktoren und Komorbiditäten, darunter alle wichtigen nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs, chronische Nierenerkrankungen, Adipositas und viele weitere.Bekämpfung zentraler Risikofaktoren: Die Abgeordneten im Gesundheitsausschuss fordern starke regulatorische Maßnahmen, um die Erschwinglichkeit, den Zugang, den Konsum und die Attraktivität von Tabak- und Nikotinprodukten sowie von Rauchgeräten, einschließlich neuartiger und aufkommender Nikotin- und Tabakprodukte, zu verringern. Sie verlangen, dass diese neuen Produkte in den Anwendungsbereich der Tabakproduktrichtlinie aufgenommen werden und fordern unter anderem, dass Werbung in sozialen Medien ausdrücklich durch die Richtlinie über Tabakwerbung und -sponsoring abgedeckt wird.Der Bericht ruft die EU-Länder dazu auf, Aufklärungs- und Kommunikationskampagnen über die kardiovaskulären und sonstigen Gesundheitsrisiken schädlichen Alkoholkonsums umzusetzen, besonders bei Konsum über den wissenschaftlich empfohlenen Grenzwerten. Die Abgeordneten heben die Bedeutung der Förderung ausgewogener Ernährungsweisen wie der mediterranen und nordischen Ernährung, pflanzenbasierter Kost und bestimmter biologisch basierter Diäten sowie körperlicher Aktivität hervor.Zu den weiteren Forderungen gehören:Verbesserte Front-of-Pack-Nährwertkennzeichnung in Übereinstimmung mit ernährungswissenschaftlichen EmpfehlungenBessere gesundheitliche Folgenabschätzungen des Konsums von „ultraverarbeiteten Lebensmitteln“ und von Energy-DrinksFrüherkennung, verbesserte Versorgung, Bereitschaft und Reaktion: Die Abgeordneten unterstützen nachdrücklich die Einführung von Herz-Kreislauf-Gesundheitschecks, insbesondere für Personen mit mindestens einem Risikofaktor und für Menschen mit familiärer Vorbelastung für vorzeitige KVE. Sie fordern, dass Menschen mit KVE rechtzeitig und bezahlbar Zugang zu hochwertiger Versorgung erhalten.Auf EU- und nationaler Ebene sollten stärkere Maßnahmen ergriffen werden, um Ungleichheiten zu verringern, die mit sozioökonomischem Status (Einkommen, Beschäftigung, Wohnverhältnisse), Geschlecht, Alter, Zugang zu Gesundheitsdiensten und Umweltbelastung zusammenhängen.Der Bericht plädiert zudem nachdrücklich für eine breitere Einführung und besseren Zugang zu öffentlichen Sensibilisierungsprogrammen zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR/HLW) und für verpflichtende HLW-Ausbildung in Schulen und am Arbeitsplatz.Zitat – Berichterstatterin Romana Jerković (S&D, Kroatien): „Zu lange hat Europa dafür gezahlt, die Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu behandeln, anstatt ihre Ursachen anzugehen. Dieser Bericht markiert eine Wende hin zur Prävention. Er fordert härtere und progressivere Maßnahmen gegen die kommerziellen Treiber schlechter Gesundheit, von der Vermarktung neuartiger Nikotinprodukte an Kinder bis hin zum Mangel an Transparenz bei Alkohol und ungesunden Lebensmitteln. Wenn wir es ernst meinen mit der Verringerung des größten Killers Europas, brauchen wir evidenzbasierte Gesundheitspolitik, nicht Politik, die von kommerziellen Interessen bestimmt wird.“Nächste Schritte: Der Initiativbericht wurde mit 38 Stimmen für, 2 gegen und 1 Enthaltung angenommen. Es wird erwartet, dass das gesamte Parlament während der Plenarsitzung im September 2026 über den Bericht abstimmen wird.Hintergrund: Im Dezember 2025 stellte die Kommission erstmals eine EU-Strategie zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, den „Safe Hearts Plan“. KVE sind die führende Todesursache in der EU und sind für etwa 1,7 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Rund 62 Millionen Menschen leben in der EU mit der Last von KVE, und jährlich treten fast 13 Millionen neue Fälle auf. Schätzungsweise sind bis zu 80 % der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Herzkrankheiten und Schlaganfall, vermeidbar.